Quo Vadis Kinderklinik?

Kranke Kinder in Not – Hochleistungsmedizin nur noch für Erwachsene?

Worum es geht: Seit 1993 sind die Krankenhausbudgets gedeckelt. Parallel werden derzeit an den Kliniken die Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups G-DRG) eingeführt, d.h. Leistungen via Einheitspreis vergütet. Die Hochleistungs-Kindermedizin großer Universitäts-Kinderkliniken wie Tübingen, die zu den weltweit führenden gehört, steht durch dieses Einheitspreissystem finanziell mit dem Rücken an der Wand.

Leistungen, die von den Kliniken erbracht werden, bekommen die Kliniken aufgrund der Fallpauschalen nicht oder nur teilweise bezahlt. Durch die Einführung der Fallpauschalen und die damit verbundene “Verwaltung” erhöht sich der Arbeitsaufwand für die Ärztinnen und Ärzte auf den Stationen erheblich und geht letztlich an der Betreuung der Patienten ab.

Dies alles führt dazu, dass die Kliniken gezwungen sind, zu sparen, wo es nur irgend geht. Dies wird bereits mehrere Jahre praktiziert, was aber faktisch dazu führte, dass beispielsweise Personalstellen (Ärzte/Ärztinnen, Pflegekräfte) nicht mehr neu besetzt werden. Die Zahl der Patienten nimmt jedoch nicht ab und dies führt dann letztlich zu qualitativen Einbussen am Patienten durch Überbelastung von Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten. Die pflegerische Versorgung der kleinen Patienten ist heute ohne die tätige Unterstützung durch die Eltern auf Station nicht mehr gewährleistet.

Die schleichende Unterfinanzierung der Kinderkliniken wird von den Verantwortlichen in Bund, Ländern und Selbstverwaltung scheinbar in Kauf genommen.

Jetzt schlagen die Elternvereine der Universitäts-Kinderkliniken zusammen mit Pflegekräften und Ärzten Alarm. Wir fordern die Politikerinnen und Politiker auf, diesen Umstand nicht länger zu ignorieren!


1. Informationsveranstaltung mit Podiumsdiskussion in Tübingen (20.2.2006)

Kranke Kinder in Not – Hochleistungsmedizin nur noch für Erwachsene?

Unter dem obigen Titel fand unter großer öffentlicher Teilnahme am 20.2.2006 um 19:30 Uhr im Hörsaal der Kinderklinik Tübingen eine Informations-Veranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion statt (siehe Programm)

Interessante Vorträge aus klinischer Sicht und von Seiten der Elternvereine machten sehr deutlich in welche existenziell bedrohliche Notsituation die Universitäts-Kinderkliniken sehr bald geraten werden, wenn von politischer Seite nicht nachhaltig eingegriffen wird.

Das es sich hierbei nicht um ein ausschließlich “Tübinger Problem” handelt, wie Rüdiger Strehl (Kaufmännischer Direktor des Uniklinikums Tübingen) deutlich ausführte, machte auch die Anwesenheit der Vertreter der drei universitären Kinderkliniken in Baden-Württemberg (Heidelberg, Freiburg und Ulm) deutlich.

Im Anschluss an die verschiedenen Vorträge fand unter der Moderation von Christiane Brehl (SWR) eine spannende Podiumsdiskussion statt, bei der für den Zuhörer allerdings zunächst der Eindruck entstand als säße man in einem bösen Märchen.

Nach Meinung von Dr. Monika Stolz (Ministerin für Arbeit und Soziales und Kinderbeauftragte) nämlich, entspräche die heutige Situation doch genau den ursprünglichen Wünschen der Kliniken. Danach ist das heutige DRG-Abrechnungssystem ein “lernendes System” und die Kliniken ihrerseits hätten sehr viel Wert auf die Selbstverwaltung gelegt. Nun sollen sie das auch tun…

Nachvollziehbarer war die Argumentation von Annette Wiedmann-Mauz, MDB (gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion) kompetent und gut vorbereitet.

Die fundierten Argumente von Rüdiger Strehl (Kaufmännischer Direktor, Uniklinikum Tübingen) und seiner ärztlichen Kollegen im Plenum veranlassten Frau Dr. Herta Däubler-Gmelin zu der Zusage, sich eingehender mit der Thematik zu befassen und weitere Schritte innerhalb ihrer Partei zu veranlassen.

Bleibt zu hoffen, dass diese Schritte auch zu einem für alle Beteiligten befriedigenden Ergebnis führen werden.

Downloads:


September 2006: Gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV)

Ebenfalls ist noch eine kurze Meldung der Deutschen Krankenhausgesellschaft interessant, zur Verabschiedung des neuen DRG-Katalogs 2007. Hier sind explizit auch Verbesserungen im Bereich der Kinderheilkunde erwähnt. Sie können die pdf-Datei über den folgenden externen Link herunterladen: www.dkgev.de/dkgfile.php?type=file&id=894


November 2006: Kinderkliniken – Optimale Versorgung rechnet sich

Sind Kinderkliniken über Abrechnungspauschalen finan­zierbar? Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Ju­gendmedizin (DGKJ) versammelte heute in Berlin Vertreter aller an der pädia­trischen Versorgung beteiligten Gruppen, um diese Frage zu beantworten und um konkrete Perspek­tiven für die Wirtschaftlichkeit von Kinderklinken zu erarbeiten.

[ mehr lesen… ] (Externer Link zur Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.)


November 2006: Konsenspapier der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Das Konsenspapier Wie lernfähig ist das DRG-System Sind Kinderkliniken über Abrechnungspau­schalen finanzierbar?(23.11.2006) steht hier zum Download bereit (externer Link).

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TERMINE
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am Sonntag, 26.02.2012
ab 14:30 Uhr.
im Geschwisterhaus, (Gruppenraum im EG), Hallstattstraße 1,
72070 Tübingen
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